Das verlorene Lachen
 

Das verlorene Lachen

Von Rosemarie Bronikowski

Mit Illustrationen von
Eugeniusz Józefowski

Paperback
64 Seiten
ISBN 3-928409-99-9
1.Aufl.
EUR 9,95




Rosemarie Bronikowski hat jetzt ihren fünften Gedichtband vorgelegt. Wieder Gedichte besonderer Prägung, besonderer Einfälle. Die auf den ersten Blick unbeweglich scheinen mögen, die sich aber plötzlich bizarr oder unvermutet fortbewegen.
Und beim dritten Blick erfährt das lesende Auge die filigrane Ironie, den sanften Humor, der die Trauer in den Gedichten und das scheinbar Endgültige, mildert und versöhnt.
Die exzellenten Illustrationen in dem Buch hat der junge polnische Künstler Eugeniusz Józefowski geschaffen.

Elisabeth Alexander in Bücher aktuell


[ Inhalt ] [ Über die Autorin ]

Inhalt

Das verlorene Lachen
Das Lachen
wurde zu spät vermißt
da war es schon aus dem Hause

Man versuchte sich zu erinnern
es war kein lautes Lachen gewesen
das an allerwelts Ohr drang
sondern eines von denen
die mit kleinen Verbeugungen
rückwärts gehn

Die mit kleinen Verbeugungen
rückwärts gehn
bis an den Sitz der Trauer


Kind mit Tasse
Taucht brunnentief
wenn es die Tasse leert
und trinkend dem Gemurmel
in der Tasse lauscht
um später alles
was die Tasse spricht
mit Kakao in ein geheimes
Tagebuch zu schreiben

Vorgekostet
Eßbare Früchte
klein hart und sauer
aber der Hinweis auf rote Öhrchen
in die man hineinschwatzen kann

Straßenmusik
Ein Stuhl
dreibeinig
schmalhüftig
und überaus musikalisch
hielt sich für eine Mandoline
er machte Straßenmusik
bis ihn die Müllabfuhr mitnahm
sie hielt ihn für einen
dreibeinigen Stuhl

Die Narren sind arm dran
In schlechten Zeiten ziehn Narren
das große Los unter Nieten
im Glücksspiel sind sie uns über

Daß sie trotzdem alles verlieren
liegt an ihren Taschen die leer sind
soviel Zeug sie auch drin verstauen

Im Lieben sind Narren närrisch
wie jeder von uns nur trauern
am Ende der Liebe sie länger
sie glauben sie ende nie

Und manchmal gehn
auf regennasser Straße
die kleinsten aller Narren
denen rutschen
die Mützen ins Gesicht

Im Flüsterschiff
SAGELEIS wo
geht's hin
du schweigst
den Mund
zum Wort
gespitzt
kein Zungen-
schlag
kein Hauch
verletzt
mein reißend
dünn
auf Schmerz
gespanntes
Ohr

Auf verlorenem Posten
Zwei in Rüstung
geschmiedete Weltraumfahrer
beim Umlauf vom Kurs
abgekommen verfehlen
einander um Licht-
sekunden in beiden
die geheime Not
des Verglühens

Die Zuversicht der Angst
Mit feuchten Händen
trat ich zur Angst
du hast keinen Grund
sprach ich zur Angst
eilfertig bestätigte sie mir
keinen Grund zu haben
sie suche nur eine Bleibe

Im Gehen
Wenn Leben
zu Ende geht
und im Zuendegehen
noch einen besonders
geformten Stein aufhebt
das Rauhe und Kühle
zu spüren

Verkürzungen
Je kürzer
deine Schritte werden
desto kleiner
versuche ich den Abstand
zwischen uns zu halten
Bei Stillstand
falle ich dir zu

Als ich verstand
wie fremd ich im eigenen Haus bin
legte ich die Blätter zusammen
die ich beschrieben hatte
hoffend sie würden
nach längerer Lagerung
ihr einfaches Weiß zurückgewinnen
und vergessen
daß ich gewohnt habe



(Auszüge aus dem Buch)




Über die Autorin

Rosemarie Bronikowski, geboren 1922 in Hamburg. Sie studierte in Berlin, verlor im Krieg ihren ersten Mann, hat in zweiter Ehe sieben jetzt erwachsene Kinder und lebt seit 1971 in Ebringen bei Freiburg im Breisgau.

[ Inhalt ] [ Über die Autorin ]